Blide-Trebuchet


WillehalmBlidenbau im Mittelalter

Wann genau die ersten Bliden im Mittelalter gebaut werden ist nicht mehr nachzuvollziehen. Die Zugblide taucht das erste Mal auf einer chinesischen Abbildung im 8. Jahrhundert auf.  Für Europa kennen wir Abbildungen erst ab Ende des 12. Jahrhunderts. Inwieweit die Zugblide vorher schon hier zum Einsatz kam können wir nicht sagen, auch nicht, ob sie tatsächlich über China nach Europa kam.
Die Gegengewichtsblide hat sich vermutlich durch die Kreuzfahrer aus den arabischen Raum nach Europa verbreitet. Die bisher bekannte früheste arabische Abbildung stammt aus der Zeit Saladins(1174-1193). Der erste nachweisbare Einsatz in Europa fand 1212 im heutigen Thüringen statt. Dort belagerte Kaiser Otto der IV die Burg Weißensee. Neben der Erwähnung des Blideneinsatzes in der Chronik St. Peter zu Erfurt, die allerdings erst nach 1276 geschrieben wurde, sind vier Blidensteine bei Ausgrabungen auf der Burg gefunden wurden.
Der erste schriftliche Beleg im Deutschen Raum findet sich in Wolfram Eschenbachs Willehalm. Vermutlich ist diese Dichtung zwischen 1209 und 1226 entstanden. Im dritten und fünften Buch taucht der Begriff „drîbock“ auf. Tribock/Dreibein war die erste Blidenvariante mit einem festen Gegengewicht. Das Wort Blide steht dann später für die Variante mit einem beweglichen Gegengewicht. Im Englischen und Französischen Sprachraum gibt es hingegen nur den Begriff Tribock oder Trebuchet für beide Versionen.

Die Blide hat sich dann sehr schnell über den Europäischen Raum verbreitet und blieb auch später auf Grund ihrer vielfältigen Einsetzbarkeit noch eine Weile neben den großen Bussen (Kanonen) bestehen.

  Dieser Willehalm-Codex entstand um 1334,
  wahrscheinlich in Fritzlar (1)





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Nachdem meine Frau mich mehrmals mit auf Mittelaltermärkte geschleppt hatte, habe ich selber Feuer gefangen, als mir das erste Modell einer Blide über den Weg lief. Im Sommer 2007 entstand zunächst eine Blide im Taschenformat, um auszuprobieren, wie die Proportionen am Besten gewählt werden.




Den Winter 2007/2008 habe ich im Keller verbracht, um mein grösseres Blidenmodell zu bauen. "Unsere Kleine" habe ich im April 2008 das erste Mal testen können und seitdem auf vielen Veranstaltungen vorgeführt.




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Nachdem ich und meine Familie sich wieder erholt haben (vom Keller), habe ich mich im Winter 2009/2010 an eine Zugblide gewagt. "Brunhilde" kam zum ersten Mal im Mai in Einsatz und hat mich mit 100 Metern Wurfweite, bei angebrochenem Wurfarm und daher nur halber Belastung nicht enttäuscht. Ein Test unter "voller Belastung" steht immer noch aus.
















Bildnachweis:
1 Wolfram von Eschenbach "Willehalm" Digitalisierter Codex, Universitätsbibliothek Kassel